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9. Oktober 2008

Ich komme gerade vom Friedhof. Jetzt scheint die Sonne, was sehr zu meinem Wohlsein beisteuert. Aber leider wird es im Herbst natürlich mehr graue als sonnige Tage geben und ich muss mir meine Kraft aus etwas anderem als der Sonne holen. Das wird bestimmt nicht immer einfach, da ich auch niemanden in "normaler" Situation kenne, der die grauen Tage besonders gerne mag. Aber das stehen wir gemeinsam durch!

Ein Freundin hat mir ein Buch geliehen, das mir sehr viel Kraft gibt. Es geht um das Leben nach dem Tod. Ich habe immer schon daran geglaubt, dass man nicht einfach "weg" ist, wenn man stirbt. Aber was genau mit einem passiert kann man ja nicht wissen.

Schon als mein Vater verstorben ist, hatte ich im Krankenhaus das Gefühl, dass dort nur noch seine "Hülle", sein Körper, liegt und die Seele "frei" ist. An diesem Tag hatte ich auch abends das sehr starke Gefühl, als ob mein Vater bei mir im Raum ist. Als ob seine Seele noch nicht "in der anderen Welt" ist. Ich kann das nicht erklären, aber wer die gleiche Erfahrung gemacht hat, wird mich verstehen.

Ich habe ja auch schon von Lilly geschrieben, dass ich das Gefühl hatte, sie wäre bei mir im Krankenzimmer und wollte mich trösten. Auch Neil war mir ein paar Tage extrem nah, nachdem er eingeschlafen ist. Auch jetzt sind mir Lilly und Neil sehr nah und immer bei mir, aber von "woanders" her. Ich kann auch das nicht beschreiben. Sie schicken mir Kraft auch ohne sie weiter zu machen.

Ich glaube zum Beispiel, dass Lilly von ihrem Opa "empfangen" wurde. Und Neil von seinem Opa und Lilly. Auf die beiden hat jemand gewartet, der sie liebt. Sie sind nicht alleine. Und es geht ihnen gut. Alle körperlichen Gebrechen und Krankheiten sind nicht mehr da. Sie haben keine Schmerzen. Ihnen geht es einfach nur gut und sie sind umhüllt von Liebe, Licht und Wärme. Und bis wir ihnen irgendwann (hoffentlich erst in vielen, vielen Jahren) folgen, vergeht für sie die Zeit wie nur ein Wimpernschlag.

Das mag sich für manchen komisch anhören und mancher mag nicht daran glauben. Es soll auch niemand versuchen mich von etwas anderem zu überzeugen, denn es ist mein persönlicher Glaube, der mir hilft mit unserer ganzen Situation fertig zu werden. So wie andere sich den Tod halt anders vorstellen. Jeder wie er mag und glaubt.

Auf der Straße mögen einige Bekannte oder Nachbarn vielleicht manchmal, wenn sie mich sehen, denken: "Der geht es schon wieder besser/gut." Ja, manchmal geht es mir auch besser, denn ich möchte für Lilly und Neil glücklich sein. Ich werde ihr Lachen lachen. Ich möchte ihre Liebe weitergeben. So hätten sie es gewollt und das hilft mir.

Manchmal trifft mich der Schmerz wie aus heiterem Himmel, ohne jegliche Vorwarnung. Und manchmal kommt er schleichend. Auch, wenn es sehr weh tut - ich trauere mit einem Herzen voller Liebe für meine Kinder. Und mein Herz ist auch voller Liebe für meinen Mann. Und das gibt mir Kraft!

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