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Die Nacht von Samstag auf Sonntag

Nachts wurde ich wach, weil Marcus in mein Zimmer kam. Er kam so vorsichtig.. Marcus sagt mir, dass unsere kleine Lilly es nicht geschafft hat. Sie war zu klein und ist eingeschlafen. Es muss ihm so schwer gefallen sein mir diese Nachricht zu überbringen und doch hat ER es getan und kein Arzt.

Ich wurde gefragt, ob ich Lilly sehen will. Ja, natürlich wollte ich das. Sie wurde mir gebracht. Lilly war in ein Tuch gewickelt und wurde mir in die Arme gelegt. Sie war so klein und so leicht. Wie eine Feder. Und wie zart sie war. Wie eine kleine Elfe sah sie aus. Sie hatte eine leicht blutige Nase von den Schläuchen. Das habe ich so richtig aber erst später auf den Fotos von ihr gesehen. Ich habe Lilly im Arm gehalten und sie im Gesicht gestreichelt. Sie war so ein wunderschönes Kind! Sie war mir so nah. Als ob sie neben mir wäre und MICH streicheln würde, um mich zu trösten.

Man kann sich das alles nicht richtig vorstellen. Es war mitten in der Nacht. Alles im Krankenhaus war ruhig. Diese ganze Situation war so unwirklich, erschien einem nicht real. Vor vier Tagen war doch noch alles in Ordnung gewesen. Wir hatten doch alle wichtigen Sachen für unsere beiden Mäuse bestellt und jetzt halte ich Lilly als Engel im Arm. Das war nicht zu begreifen. Ich weiß nicht, wie lange ich Lilly im Arm hielt. Ich hatte nur Augen für sie. Marcus war bei mir und konnte mich nicht trösten. Für ihn war es die gleiche Hölle. 

Irgendwann haben wir Lilly wieder in die Arme der Ärzte abgegeben. Ich wusste sie gut aufgehoben. Sie sollte als Sternenkind bei uns bleiben und mit uns sein. Obwohl das alles so unbegreiflich ist.

Jetzt hatten wir einen unserer beiden Zwillinge verloren. Unsere Trauer galt Lilly. Unsere Hoffnung galt Neil. Gut, dass man nicht weiß, was kommen mag. "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Wie wahr!

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