| Lilly & Neil | |
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zurück zu "Die letzte Woche (Freitag und Samstag) Unser letzter gemeinsamer Tag (Sonntag) Sonntagmorgen durften Neil und Marcus leider wieder nicht kuscheln. Die Ärztin war sich unsicher und so wollten wir natürlich kein Risiko eingehen. Beim versorgen hat Marcus die eine Seite von Neil eingecremt und ich die andere. Wir haben Fotos von uns an Neil's Inkubator gemacht. Ich hatte die Idee, wusste aber nicht warum. Als ob ich im Unterbewußtsein etwas geahnt hätte. Mir war das aber natürlich nicht bewußt. Nachmittags waren Neil's Drücke nicht so gut, aber das konnte schon mal vorkommen. Wir haben uns nur unsere "normalen" Sorgen gemacht. Abends waren wir zum ersten Mal für 1 1/2 Stunden bei Freunden, die zwei Straßen weiter wohnen. Wir kamen nach Hause und es klingelte das Telefon. Die Ärztin sagte, es können "in die oder die" Richtung gehen. Wir sind sofort los ins Krankenhaus. Auf der Fahrt haben wir nicht viel geredet. Jeder hing seinen Gedanken nach. Was würde passieren? Irgendwie hatten wir es im Gefühl... Als wir zu Neil kamen, konnte fast nichts mehr an ihm gemessen werden. Die Apparate zeigten Fragezeichen. Wir haben ihn im Inkubator berührt und gestreichelt. Wir waren so hilflos. Als die Schwester fragte, ob ich Neil "raus" haben wollte, wussten wir was das heißen sollte. Neil wurde mir in die Arme gelegt. Mein kleiner Neil! Sein Mund stand offen. Er sah so erschöpft und doch schon friedlich aus. Ich habe ihn gehalten und gestreichelt. Die Schwester sagte, ich solle mit ihm reden. Das Einzige was ich zu ihm sagen konnte war: "Hab keine Angst. Ich bin bei dir!" Mein Kopf war leer. Der Arzt horchte Neil ab und sagte, er sei eingeschlafen. Die Beatmung wurde abgeschaltet. Jetzt saßen wir da. Marcus, Neil, ich und meine Mutter (man hatte sie zwischenzeitlich benachrichtigt). Ich hielt unseren kleinen Sohn im Arm. Unsere ganze Hoffnung war mit ihm gegangen. Meine Gefühle kann ich nicht beschreiben. Die Schwester fragte, ob ich Neil noch waschen und anziehen möchte. Das wollte ich. Das erste und letzte Mal habe ich meinen kleinen Sohn ohne Schläuche und Kabel vor mir liegen gehabt. Ich habe ihn, mit Hilfe der Schwester, gewaschen und angezogen. Ich habe ihn auf seine kleine Stirn geküsst, zum ersten Mal seinen Rücken gestreichelt. Die Schwester hat noch zwei Fotos von Neil auf meinem Arm gemacht. Marcus und meine Mutter standen ein Stück abseits. Wie muss es für sie gewesen sein? Marcus sah seine Frau mit seinem Sohn, meine Mutter ihr Kind mit dem Enkelkind... Wir durften dann zusammen mit Neil in das Elternzimmer, um uns zu verabschieden. Der Arzt und die Ärztin kamen mit uns und haben uns noch ein wenig erklärt, wie es wohl für Neil geworden wäre. Er hätte wohl, durch die Punktion am Köpfchen und das Hirnwasser, kein lebenswertes Leben gehabt. Wie wichtig war es für mich das zu hören! Was ist ihm erspart geblieben? Aber es konnte meinen Schmerz natürlich nicht mindern. Dann durften wir mit Neil alleine bleiben. Diese Zeit und unsere Gefühle kann ich nicht beschreiben... Irgendwann haben wir Neil der Schwester in die Arme gelegt und sind nach Hause gefahren. In dieser Nacht sollten wir nicht schlafen... weiter zu Der erste Tag ohne Neil Besucher heute Besucher gesamtnach oben nPage.de-Seiten: ungluecklichverliebt | Kulturmittlerinnen |